Ob in der Medizintechnik, im Maschinenbau oder in der IT: Eine ungenaue Formulierung, ein falsch übersetzter Fachbegriff oder ein übersehener Sicherheitshinweis können nicht nur teure Rückrufe, sondern auch rechtliche Konsequenzen oder gar Gefahren für Anwender nach sich ziehen. Hier zeigt sich, warum Qualitätsstandards wie die ISO 17100 nicht nur empfehlenswert, sondern unverzichtbar sind. Doch warum ist diese Norm gerade für technische Übersetzungen so bedeutend?

1. Was ist die ISO 17100?

Die DIN EN ISO 17100 ist eine internationale Norm, die spezifische Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen festlegt. Sie löst die ältere EN 15038 ab und gilt weltweit als Maßstab für professionelle Übersetzungen. Im Kern regelt sie:

  • Qualifikationen des Personals: Übersetzer, Revisoren und Projektmanager müssen nachweisbare fachliche und sprachliche Kompetenzen besitzen, einschließlich eines relevanten Hochschulabschlusses oder gleichwertiger Berufserfahrung.
  • Strukturierte Prozesse: Jede Übersetzung durchläuft definierte Phasen – von der Projektvorbereitung über die Übersetzung selbst bis zur obligatorischen Revision durch eine zweite Fachkraft.
  • Technische Ressourcen: Der Einsatz moderner Übersetzungstools (CAT-Tools), Terminologiedatenbanken und Qualitätsmanagement-Systeme ist vorgeschrieben.

Die Norm stellt sicher, dass Übersetzungen nicht nur sprachlich korrekt, sondern auch fachlich präzise und konsistent sind – ein Muss für technische Dokumente, bei denen es auf Genauigkeit ankommt.

2. Warum ist die ISO 17100 für technische Übersetzungen besonders wichtig?

a) Garantierte Genauigkeit und Sicherheit

Technische Texte enthalten oft komplexe Fachbegriffe, Sicherheitshinweise oder rechtlich relevante Passagen. Die ISO 17100 schreibt vor, dass jede Übersetzung von einer zweiten, unabhängigen Person geprüft wird („Vier-Augen-Prinzip“). Dies minimiert das Risiko von Fehlern, die z. B. in Bedienungsanleitungen oder Sicherheitsdatenblättern fatale Folgen haben könnten. Ein Beispiel: Die falsche Übersetzung von „nach 30 Minuten“ als „für 30 Minuten“ kann in einer Betriebsanleitung zu Missverständnissen und Sicherheitsrisiken führen.

b) Terminologische Konsistenz

In technischen Dokumenten müssen Begriffe durchgängig gleich übersetzt werden. Die Norm verlangt den Einsatz von Terminologiedatenbanken, die sicherstellen, dass z. B. „Steuergerät“ nicht mal als „Kontrolleinheit“ wiedergegeben wird – selbst wenn beide Übersetzungen prinzipiell korrekt wären. Dies ist besonders in der Industrie 4.0 oder Medizintechnik essenziell, wo einheitliche Terminologie Leben retten kann.

c) Transparenz und Nachvollziehbarkeit

Die ISO 17100 definiert klare Abläufe: Von der Analyse der technischen Anforderungen über die Auswahl des passenden Übersetzers bis zur finalen Qualitätskontrolle. Kunden erhalten so nachvollziehbare Prozesse und können sich auf die Qualität der Übersetzungen verlassen.

d) Rechtliche Absicherung

Viele Branchen (z. B. Maschinenbau, Luftfahrt) verlangen zertifizierte Übersetzungen, um Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Die Einhaltung der ISO 17100 dient als Nachweis, dass alle gesetzlichen und normativen Vorgaben eingehalten wurden – ein entscheidender Vorteil bei Audits oder Haftungsfragen.

3. Vorteile für Unternehmen und Kunden

Für Übersetzungsagenturen:

  • Wettbewerbsvorteil: Die Zertifizierung signalisiert Kompetenz und Professionalität und öffnet Türen zu anspruchsvollen Projekten, z. B. in der Automobil- oder Pharmaindustrie.
  • Effizienzsteigerung: Standardisierte Prozesse und der Einsatz von CAT-Tools reduzieren Fehlerquoten und beschleunigen die Projektabwicklung.
  • Kundenzufriedenheit: Durch systematische Qualitätskontrollen und Feedbackschleifen steigt die Zuverlässigkeit der Dienstleistung.

Für Auftraggeber:

  • Risikominimierung: Zertifizierte Anbieter garantieren, dass Übersetzungen den höchsten Qualitätsstandards entsprechen – besonders wichtig bei sicherheitskritischen Dokumenten.
  • Kostensenkung: Dank Terminologie-Management und Translation-Memory-Systemen sinken langfristig die Kosten, da wiederkehrende Texte konsistent und schneller übersetzt werden können.
  • Internationale Marktchancen: Hochwertige, normgerechte Übersetzungen erleichtern die Zertifizierung von Produkten in Zielmärkten und stärken das Vertrauen internationaler Partner.

4. ISO 17100 vs. andere Normen

Während die ISO 17100 sich auf menschliche Übersetzungen konzentriert, regelt die ISO 18587 die Qualität von maschinellen Übersetzungen. Beide Normen können kombiniert werden, um je nach Projektanforderung die optimale Lösung zu bieten – etwa bei der Post-Editing von KI-Übersetzungen.

5. Fazit: Ein Muss für technische Kommunikation

Die ISO 17100 ist kein „Nice-to-have“, sondern ein unverzichtbarer Standard für technische Übersetzungen. Sie schafft Vertrauen, minimiert Risiken und sichert die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Wer auf zertifizierte Dienstleister setzt, investiert in Qualität, Sicherheit und langfristigen Erfolg.

Fazit für Entscheider:

  • Technische Übersetzungen immer nach ISO 17100 zertifizieren lassen – besonders bei sicherheitsrelevanten oder regulierten Dokumenten.
  • Auf Terminologie-Management und Revision achten – das spart Zeit, Geld und vermeidet Fehler.
  • Zertifizierte Partner wählen – nur so ist gewährleistet, dass Übersetzer über die nötige Fachkompetenz und technische Ausstattung verfügen.