Die Rolle von Glossaren und Terminologiedatenbanken in der technischen Übersetzung


Technische Übersetzungen erfordern nicht nur sprachliche Präzision, sondern auch ein tiefes Verständnis für Fachbegriffe und branchenspezifische Terminologie. In einer globalisierten Welt, in der Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen international vermarkten, sind konsistente und fehlerfreie Übersetzungen entscheidend. Hier kommen Glossare und Terminologiedatenbanken ins Spiel. Sie sind unverzichtbare Werkzeuge, um die Qualität, Effizienz und Einheitlichkeit technischer Texte zu gewährleisten. Doch wie genau funktionieren sie, und warum sind sie besonders in Zeiten von KI-gestützten Übersetzungen relevanter denn je?

Was sind Glossare und Terminologiedatenbanken?

Glossare: Das Fundament der Konsistenz

Ein Glossar ist eine Sammlung von Fachbegriffen, Abkürzungen und spezifischen Ausdrücken, die in einem bestimmten Kontext – etwa einer Branche, einem Unternehmen oder einem Projekt – verwendet werden. Es dient als Referenzwerk, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten dieselbe Terminologie verwenden. In der technischen Übersetzung sind Glossare besonders wichtig, da sie:

  • Einheitlichkeit garantieren: Jeder Begriff wird in allen Dokumenten und Übersetzungen gleich verwendet.
  • Missverständnisse vermeiden: Klare Definitionen reduzieren das Risiko von Fehlinterpretationen.
  • Zeit sparen: Übersetzer müssen nicht ständig nach der korrekten Übersetzung suchen.

Terminologiedatenbanken: Dynamische Wissensspeicher

Eine Terminologiedatenbank geht einen Schritt weiter. Sie speichert nicht nur Begriffe, sondern auch zusätzliche Informationen wie:

  • Kontextbeispiele, in denen ein Begriff verwendet wird.
  • Synonyme und Verwendungsverbote (z. B. wenn ein Begriff in einem bestimmten Kontext nicht verwendet werden darf).
  • Metadaten wie Branche, Projekt oder Zielgruppe.

Terminologiedatenbanken sind oft in CAT-Tools (Computer-Assisted Translation) integriert und ermöglichen eine automatische Terminologieprüfung während des Übersetzungsprozesses.

Warum sind Glossare und Terminologiedatenbanken so wichtig?

1. Konsistenz über alle Dokumente hinweg

In der technischen Kommunikation ist Konsistenz entscheidend. Ein und derselbe Begriff sollte in allen Dokumenten – von Bedienungsanleitungen bis zu Marketingmaterialien – gleich übersetzt werden. Glossare stellen sicher, dass:

  • Markenbegriffe (z. B. Produktnamen) immer identisch bleiben.
  • Fachbegriffe (z. B. aus dem Maschinenbau oder der Medizintechnik) korrekt und einheitlich verwendet werden.
  • Rechtliche und normative Anforderungen erfüllt werden, z. B. in der Automobil- oder Luftfahrtindustrie.

2. Effizienzsteigerung im Übersetzungsprozess

Durch die Verwendung von Glossaren und Terminologiedatenbanken können Übersetzer schneller arbeiten, da sie nicht ständig nach der richtigen Übersetzung suchen müssen. Dies ist besonders wichtig bei:

  • Großen Projekten mit vielen Dokumenten und mehreren Übersetzern.
  • Langfristigen Kooperationen, bei denen dieselbe Terminologie über Jahre hinweg verwendet wird.

3. Qualitätssicherung

Fehler in technischen Übersetzungen können schwerwiegende Folgen haben – von Verständnisproblemen bis hin zu Sicherheitsrisiken. Glossare helfen, solche Fehler zu vermeiden, indem sie:

  • Standardisierte Übersetzungen für kritische Begriffe vorschlagen.
  • Automatische Prüfungen ermöglichen, die Abweichungen von der vorgegebenen Terminologie erkennen.

4. Kostensenkung

Wiederholte Begriffe müssen nicht jedes Mal neu übersetzt werden. Durch die Wiederverwendung von Terminologie sparen Unternehmen Zeit und Geld, insbesondere bei:

  • Updates von Dokumenten (z. B. neue Versionen einer Bedienungsanleitung).
  • Mehrsprachigen Projekten, bei denen dieselbe Terminologie in mehrere Sprachen übertragen wird.

Glossare und KI-Übersetzungen: Eine symbiotische Beziehung

Mit dem Aufstieg von KI-gestützten Übersetzungstools (wie DeepL, Google Translate oder spezialisierten Lösungen für technische Texte) gewinnen Glossare eine neue Dimension. Hier ist der Grund:

1. Training von KI-Modellen

KI-Übersetzungssysteme lernen aus großen Mengen an Textdaten. Wenn sie Zugang zu unternehmensspezifischen Glossaren haben, können sie:

  • Branchenjargon besser verstehen und korrekt übersetzen.
  • Unternehmensspezifische Begriffe (z. B. Produktnamen oder Markenbegriffe) korrekt wiedergeben.

Ohne ein Glossar neigen KI-Tools dazu, Begriffe wörtlich oder aus dem Kontext gerissen zu übersetzen – was in technischen Texten zu schweren Fehlern führen kann.

2. Anpassung an spezifische Anforderungen

Moderne KI-Übersetzungstools erlauben die Integration von Glossaren, sodass die KI:

  • Bevorzugte Übersetzungen für bestimmte Begriffe verwendet.
  • Konsistenz auch in automatisierten Übersetzungen gewährleistet.

Beispiel: Ein Unternehmen aus der Medizintechnik könnte ein Glossar mit Fachbegriffen wie „Stent“ oder „MRI“ erstellen. Die KI nutzt diese Begriffe dann in allen Übersetzungen – statt sie frei zu interpretieren.

3. Hybrid-Übersetzungen: Mensch und Maschine im Einklang

In der Praxis arbeiten menschliche Übersetzer oft mit KI-Tools zusammen. Glossare dienen hier als „Leitplanken“, die sicherstellen, dass die KI:

  • Terminologievorgaben einhält.
  • Konsistente Ergebnisse liefert, die der menschliche Übersetzer nur noch feinjustieren muss.

Praktische Umsetzung: Wie man Glossare erstellt und pflegt

Schritt 1: Terminologie extrahieren

  • Analyse bestehender Dokumente: Welche Begriffe kommen häufig vor?
  • Zusammenarbeit mit Fachexperten: Ingenieure, Techniker oder Juristen können helfen, die korrekte Terminologie zu definieren.

Schritt 2: Glossar aufbauen

  • Begriffe sammeln (z. B. in Excel oder spezialisierten Tools wie SDL MultiTerm).
  • Definitionen und Kontext hinzufügen: Nicht nur die Übersetzung, sondern auch Beispiele für die Verwendung.
  • Mehrsprachigkeit berücksichtigen: Glossare sollten für alle Zielsprachen gepflegt werden.

Schritt 3: Integration in den Übersetzungsprozess

  • CAT-Tools wie Trados, memoQ oder Across nutzen, um Glossare automatisch zu prüfen.
  • KI-Tools mit Glossaren füttern, um die Qualität automatisierter Übersetzungen zu verbessern.

Schritt 4: Regelmäßige Aktualisierung

Terminologie entwickelt sich weiter – neue Produkte, Normen oder Technologien erfordern Anpassungen. Ein Glossar ist daher kein statisches Dokument, sondern ein lebendiges Werkzeug, das regelmäßig überprüft und erweitert werden muss.

Fazit: Glossare als Erfolgsfaktor in der technischen Übersetzung

Glossare und Terminologiedatenbanken sind kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für Unternehmen, die auf internationale Märkte setzen. Sie sorgen für:

  • Konsistenz in allen Dokumenten.
  • Effizienz im Übersetzungsprozess.
  • Qualität und Sicherheit in technischen Texten.
  • Kosteneinsparungen durch Wiederverwendung von Terminologie.

In Kombination mit KI-Übersetzungstools werden sie zum Schlüsselinstrument, um technische Inhalte präzise, schnell und kostengünstig in mehrere Sprachen zu übertragen. Wer in Glossare investiert, investiert in die Zukunftsfähigkeit seiner technischen Kommunikation.